Schwierige Vorbereitung einer selbstbestimmten Hausgeburt

Unsere Tochter Lana brachte ich im September 2016 in einem Geburtshaus zur Welt. Als ich im Mai 2018 wieder schwanger wurde, stand für meinen Mann und mich fest, dass wir uns diesmal eine Hausgeburt wünschten. Die Geburt im Geburtshaus hatte ich in positiver Erinnerung, aber danach mit einem Neugeborenen mit dem Auto heimfahren zu müssen, war überhaupt nicht schön und ich wollte mich nach der Geburt sofort mit meinem Baby in mein eigenes Bett kuscheln können. Bei der ersten Geburt hatte es meinen Mann noch beruhigt, dass sich ein Krankenhaus in der Nähe befand. Diese scheinbare Sicherheit brauchten wir nun nicht mehr und eine Hausgeburtshebamme konnte alles mitbringen, was sie sonst im Geburtshaus zur Verfügung hatte. Ich fand den Gedanken wunderschön in unserem Wohnzimmer den Kamin anzuzünden, einen Geburtspool aufzustellen und die freie Wahl zu haben, in welchem Raum und in welcher Position ich entbinden wollte. Ein weiterer, großer Vorteil war, dass ich dann auch nicht lange von Lana getrennt sein musste. Unsere Tochter würde bei der Geburt fast 2,5 Jahre alt sein und während der aktiven Geburtsphase einen Stock höher mit Oma und Opa spielen können.

Sobald ich wusste, dass ich schwanger war, rief ich in dem Geburtshaus an, in dem Lana zur Welt gekommen war. Die Hebammen stimmten zu, für eine Hausgeburt zu uns zu kommen. Doch als ich ihnen meine Wünsche und Vorstellungen einer selbstbestimmten Hausgeburt erzählte, verstanden sie diese nicht. Ich wollte dieses Mal trotz der Unterstützung einer Hebamme selbst die Verantwortung übernehmen und vieles selbst entscheiden. Immerhin ging es um meinen Körper und mein Baby. Hinzu kam, dass in dem Geburtshaus nun mehrere Hebammen arbeiteten und wir vorher nicht erfahren konnten, welche Hebamme schließlich zu uns kommen würde. Meinem Gefühl vertrauend suchte ich deshalb nach einer anderen Hebamme und fand in Nürnberg eine Hebamme, die ausschließlich Hausgeburten betreut, gleichzeitig Heilpraktikerin ist und viel Erfahrung hat. Mit ihr konnten wir über alles viel verständnisvoller sprechen und ich war so froh, eine vertrauensvolle Hausgeburtshebamme gefunden zu haben. Wir hatten großes Glück, dass sie in meinem voraussichtlichen Geburtszeitraum noch keine andere Schwangere betreute.

Voller Vorfreude

Die Berechnung des ungefähren Geburtstermins war schwierig, da ich wegen der langen Stillzeit nur unregelmäßig meine Periode gehabt hatte. Ich kannte es bereits von der ersten Schwangerschaft, dass trotz Ultraschall der Geburtstermin absolut ungenau war. In dieser Schwangerschaft beschlossen wir nur einen Ultraschall machen zu lassen und zwar den 2. großen Ultraschall, bei dem auch überprüft wurde, ob beim Baby alles gesund aussieht. Nach diesem Ultraschall bei einem befreundeten, hilfsbereiten Frauenarzt sollte unser Baby Anfang Februar zur Welt kommen. Alle anderen Untersuchungen ließ ich ausschließlich von der Hebamme durchführen, nachdem ich mit Frauenärzten in der letzten Schwangerschaft nur schlechte Erfahrungen gesammelt hatte. Bis auf den Ultraschall kann die Hebamme alle Vorsorgeuntersuchungen durchführen: Bluttest, Urintest, Gewichtskontrolle, Blutdruckkontrolle, Herztöne des Babys abhören etc. Hinzu kommt auch noch das wertvolle, persönliche Gespräch, das Abmessen des Bauches und Abtasten der Gebärmutter. Die Hebamme konnte gut schätzen, wie groß das Baby schon war und später genau sagen, wie unser Baby in meinem Bauch lag. Ich wusste auch bereits, wie wertvoll die Nachsorge der Hebamme ist. Nach der Geburt kommt sie jeden Tag zur Familie nach Hause, hilft bei allen Fragen und ist eine wertvolle Unterstützung beim Stillen.

Trotz unserer lieben Hebamme war jede Untersuchung nach den offiziellen Richtlinien wie ein Test, den die Schwangere bestehen muss. Alle Werte müssen normal sein, also in ein bestimmtes Schema passen. So darf auch der Eisenwert nicht zu niedrig sein, obwohl das Absinken dieses Wertes vor allem am Ende der Schwangerschaft vollkommen normal ist. Für alles gibt es Vorgaben und sobald irgendetwas nicht ganz passt, winkt schon das Krankenhaus. Den Hebammen sind dann die Hände gebunden. So dürfte uns die Hebamme auch nicht bei einer Hausgeburt helfen, wenn unser Baby nach dem ungenau berechneten Geburtstermin zu früh oder zu spät kommen würde, wenn das Baby zu groß wäre oder falsch herum liegen würde. Auch während der Geburt müssen Hebammen die Frau ins Krankenhaus schicken, sobald es irgendeine Auffälligkeit gibt. Alle sagen immer, dass Frauen in der Schwangerschaft nicht krank sind und doch werden Schwangere von Ärzten und im Krankenhaus wie Kranke behandelt und ständig mit Ängsten und Risikofaktoren belastet. Zum Beispiel muss eine Schwangere, wenn sie 3 Tage über dem „Termin“ ist, zum Frauenarzt gehen und sich die Erlaubnis für eine Hausgeburt geben lassen. Was für eine Schikane für die Frauen und alle Hausgeburtshebammen! Obwohl Frauen offiziell auch 2 Wochen nach dem „Termin“ entbinden dürfen, sollen alle 2 Tage nach dem „Termin“ die Herztöne überprüft und ein CTG gemacht werden. Als würde eine Frau nicht spüren, ob sich ihr Kind bewegt und ob sie Wehen hat!

Ich wollte die Hausgeburt nicht gefährden, nur weil der Geburtstermin nach einem Ultraschall vielleicht falsch geschätzt worden war. Deshalb überlegten wir im Dezember noch einen Ultraschall machen zu lassen, obwohl natürlich auch mehrere Ultraschalle keinen genauen Termin ergeben. Als ich bei Frauenärzten anrief, stieß ich auf völliges Unverständnis, dass ich es wagte nicht in der Betreuung eines Frauenarztes schwanger zu sein. Die meisten wussten gar nicht, dass Hebammen auch alle Untersuchungen machen konnten und es schien sich für die Praxis nicht zu lohnen, mich für nur einen Termin aufzunehmen. Statt darum zu betteln Patientin sein zu dürfen, verwarfen wir den Gedanken an noch einen Ultraschall wieder und vertrauten darauf, dass sich schon alles zur richtigen Zeit für unser Baby fügen würde.

Zusätzlich zur Unterstützung der Hebamme wollten wir auch die Hilfe einer Doula während der Geburt in Anspruch nehmen. Eine Bekannte von mir hatte diese Ausbildung gemacht und dadurch erfuhren wir überhaupt erst, dass es Doulas gibt, da diese Tätigkeit in Deutschland noch nicht weit verbreitet ist. Doulas übernehmen während der Geburt keine medizinische Verantwortung wie eine Hebamme, sondern sind lediglich zur Unterstützung der Gebärenden und ihrer Familie da. Sie umsorgen die Gebärende, holen ihr Wasser oder massieren sie. Ein großer Vorteil ist, dass eine Doula im Gegensatz zur Hebamme die Frau ins Krankenhaus begleiten und dort bei ihr bleiben darf. Wenn die Gebärende zum Beispiel vom Krankenhauspersonal lange Zeit allein gelassen wird, kann die Doula sie unterstützen und mit ihr atmen. Des Weiteren kann sie zwischen der Gebärenden und den Ärzten vermitteln, um die Wünsche der Frau zu betonen. Unsere Doula engagierten wir in erster Linie als Spielgefährtin für Lana während der Geburt. Sie bot von sich aus an, sich währenddessen um Lana zu kümmern, sie zu Oma und Opa zu bringen, mit ihr zu spielen, ihr etwas zu Essen zu machen und sie nach der Geburt wieder zu uns zu bringen, ohne dass weitere Verwandte mit im Raum standen. Diese Idee fand ich sehr schön, da mein Mann dann nicht zu viele Aufgaben gleichzeitig hatte und bei mir bleiben konnte. Während uns die Hausgeburtshebamme nichts kostete (auch den Preis für die Rufbereitschaft erstatte uns die Krankenkasse fast komplett), mussten wir die Doula selbst bezahlen.

Anfang Januar 2019 hatte ich lange Zeit Kontraktionen und mein Bauch war so groß, dass ich daran dachte, dass unser Baby vielleicht kommen würde, bevor die Rufbereitschaft der Hebamme begann. In diesem Fall hätte sie uns nicht betreuen dürfen. Selbst wenn wir dann nur die Doula anrufen würden, müsste die Doula aus rechtlichen Gründen einen Arzt anrufen. Das schockierte mich sehr. Als wäre es ein Verbrechen sein Baby Zuhause ohne Betreuung zu bekommen! Rechtlich gesehen musste anscheinend immer eine außenstehende Person die Verantwortung übernehmen, als wäre eine Frau nicht in der Lage ohne medizinische Bevormundung zu gebären. Das wirkt für mich nach absoluter Kontrolle und die Frau hat keine Entscheidungsfreiheit. Dabei sollte eine Gebärende doch selbst die Verantwortung für die Geburt ihres Babys übernehmen dürfen, egal wo sie sich befindet und wer sie unterstützt. Immerhin bringen Frauen ihre Kinder auf die Welt und keine Ärzte, keine Hebammen oder sonst jemand! Bereits bei meiner ersten Geburt wussten mein Körper und mein Kind ganz genau, was zu tun ist. Das Gebären ist die unglaubliche Leistung der Frau und die anderen Personen können sie dabei lediglich unterstützen oder den Geburtsvorgang erschweren.

Dies alles brachte mich dazu, mich mit der Überlegung zur Alleingeburt zu beschäftigen, wofür ich das Buch „Alleingeburt“ von Sarah Schmid las. Dieses Buch kann ich jeder Schwangeren sehr empfehlen, auch wenn sie nicht allein gebären möchte. Dort stehen so viele wichtige Infos darin, die auch dringend alle Hebammen und Ärzte wissen sollten! Dann würden die Geburten im Krankenhaus wesentlich interventionsarmer, unkomplizierter und angstfreier ablaufen.

Ich bin sehr froh, dass ich mit der Unterstützung meines Mannes auf meinen Körper und mein Gefühl vertrauen darf! Wenn wir es wollen, werden wir eine wunderbare Unterstützung während der Geburt haben. Auf jeden Fall werde ich auf natürliche Weise, in unserem sicheren Zuhause und selbstbestimmt unser Baby zur Welt bringen! Von dieser Geburt berichte ich euch sehr gerne in einem weiteren Artikel.

In Vertrauen und Liebe

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