Kinder lernen von selbst

Ich bin mit meiner kleinen Tochter am Spielplatz beim Sandkasten. Während sie älteren Kindern hinterher rennt, beobachte ich eine junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn. „Ich zeig dir mal, wie das geht“, meint sie. „So macht man das.“ Sie nimmt ihrem Sohn die Schaufel aus der Hand und schaufelt etwas Sand auf einen kleinen Haufen. Dann nimmt sie die kleine Hand ihres Sohnes und machte es mit ihm zusammen noch einmal. Vollkommen irritiert beobachte ich ihre Bemühungen ihrem Kind beizubringen auf diese Weise mit Sand zu spielen. Meine kleine Tochter spielt auch gern mit ihrer Schaufel. Sie hat einmal gesehen, wie ein älteres Kind mit der Schaufel Sand schaufelte und es sofort nachgemacht. Danach hat sie ausprobiert, was man noch alles mit einer kleinen Schaufel machen kann: in den Sand stecken, verbuddeln, abschlecken, werfen und vieles mehr.

Immer wieder begegnen mir Eltern, die glauben, ihren Kindern alles beibringen zu müssen. Als würden ihre Kleinen sonst nicht lernen aufzustehen, zu essen, zu laufen oder zu reden. Dabei lernen unsere Kinder das alles ganz von selbst! Und zwar in der für sie richtigen Geschwindigkeit. Kinder kommen auf die Welt und nehmen alles begierig auf. Sie beobachten und begreifen immer mehr. Sie lernen, indem sie sich etwas abschauen und es selbst ausprobieren. Es macht so viel mehr Spaß selbst herauszufinden, auf wie viele verschiedene Arten man ein Buch ansehen kann. Anstatt dass die Mutter immer umblättert und meint: „Nein, in die Richtung musst du blättern. Da geht die Geschichte weiter.“ Meine Tochter malt zum Beispiel lieber in ihre Bücher, als sich nur die Bilder anzusehen und mir beim Vorlesen zuzuhören. Kinder sind voller Neugierde und Fantasie! Wir sollten ihren Fähigkeiten nicht im Wege stehen, indem wir ihnen etwas auf eine bestimmte Art und Weise beibringen wollen. Unsere Kinder sehen so viele Möglichkeiten, um mit Spaß und Freude zu begreifen und zu lernen.

Unsere Kinder zeigen uns den Weg

Unsere Kinder benötigen lediglich unser Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Sie wollen lernen zu laufen, zu reden und auf einen Stuhl zu klettern. Das alles aus eigener Kraft zu schaffen ist eine wundervolle Erfahrung, die das Selbstbewusstsein unserer Kleinen stärkt. Wenn meine Tochter auf eine Kiste und wieder hinunter klettert, grinst sie mich danach immer ganz stolz an. Wir müssen unseren Kindern nicht beibringen zu lernen. Indem wir ihnen etwas vorleben, zeigen wir ihnen alles, was wichtig ist. Kinder eifern uns nach und freuen sich, wenn sie etwas so machen können wie Mama oder Papa. Meine Tochter ist erst 1,5 Jahre alt und hilft mir im Haushalt auf fantastische Weise. Ich frage sie immer, ob sie Lust hat mir zu helfen und meistens antwortet sie mit „Ja“. Dann räumt sie mit mir die Spülmaschine aus, schaltet für mich den Drucker an oder leert den Wäschekorb mit mir aus. Auch wenn die Wäsche dann im ganzen Raum verteilt liegt. Kinder freuen sich, wenn sie helfen dürfen und ein wichtiger Teil der Familie sind. Natürlich ganz ohne Zwang und Druck! Das ist auch gar nicht nötig. Kinder wollen lernen und helfen! Sie sind empathische, neugierige, kleine Entdecker!

Der aufregendste Raum für unsere Tochter ist die Küche. Während wir kochen und backen, räumt sie die Schränke aus und ein, beobachtet uns genau und will am liebsten mitmachen. Sie spielt sehr gern mit unseren Getreidekörnern, füllt sie mit uns in unsere Mühle und schaltet die Mühle an. Dann beobachtet sie, wie die Körner zu Mehl verarbeitet werden und probiert sehr gern mit dem Finger vom Mehl, ob das auch schmeckt. Mit ihrem Papa knetet sie auch gern jeden Teig oder hält mit mir das Rührgerät, um Sahne zu schlagen.

Mit Kind wird jede Erledigung zum Erlebnis

Die kleine Maus ist am liebsten immer mit dabei, lernt durch Beobachten und ist uns eine unglaublich wertvolle Hilfe! Gemeinsam macht alles viel mehr Spaß und jede Erledigung wird zum Erlebnis!

 

Literaturempfehlung: „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ von Jean Liedloff

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