„Mama, ich will nicht sterben!“

In anderen Ländern der Welt gibt es jetzt gerade Krieg und Kinder sterben. Ich selbst bin in Deutschland in Frieden aufgewachsen und kann mir ein Leben mit Bombenangriffen kaum vorstellen. Deshalb habe ich meine Großeltern zu ihrer Kindheit während dem 2. Weltkrieg befragt.

Meine Oma und mein Opa waren zur Zeit des 2. Weltkrieges Schulkinder.

Der Vater meiner Oma musste seine Familie verlassen, um im Krieg für etwas zu kämpfen, woran er nicht glaubte. Er ließ dabei seine Frau mit seiner 9-jährigen Tochter und seinem 4-jährigen Sohn zurück. Erst 8 Jahre später kehrte er heim und musste ihr zerstörtes Haus in Nürnberg neu aufbauen.

Omas Vater in Uniform mit seinen Kameraden

Omas Vater wurde im Krieg am Bein angeschossen und musste nach dem Krieg in französischer Gefangenschaft überleben. Über diese Erfahrungen sprach er nie. Meine Oma erzählte mir, dass ihr Vater als Fremder zu ihnen nach Hause zurückkehrte. Ihr kleiner Bruder kannte den Vater kaum.

Ihre Mutter flüchtete während dem Krieg mit den kleinen Kindern zu Verwandten außerhalb von Nürnberg, damit sie vor den Bombenangriffen in Sicherheit waren. Jeden Tag, wenn meine Oma in ihre Schule in die 3. Klasse ging, fuhr ihre Mutter mit ihrem kleinen Bruder mit dem Zug nach Nürnberg, damit ihr Haus nicht von Fremden besetzt oder vollkommen ausgeraubt wurde. Oft stand die kleine Familie in dem Dorf und sah mit Schrecken zu, wie die Flieger Bomben über Nürnberg abwarfen. Nie wussten sie, ob nicht gerade Bekannte von ihnen starben.

Meine Oma als junges Mädchen mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder

Ein grausamer Lehrer führte die Schulklasse meiner Oma eines Tages zu einem abgestürzten Flieger von einem Amerikaner. Dort zeigte er den Grundschülern die Leichenteile des Toten und lachte darüber. Diesen verstörenden Anblick hat meine Oma nie vergessen!

Der Vater meines Opas musste zum Glück nicht im Krieg kämpfen, da er am Nürnberger Hauptbahnhof arbeitete und dort gebraucht wurde. Während dem Bombenalarm durfte er erst als Letzter in den Luftschutzbunker, da er davor Sicherheitsvorkehrungen am Bahnhof treffen musste.

Als die jüdischen Kinder aus Opas Schulklasse verschwanden, sah sein Vater die Züge voller jüdischer Menschen. Er sagte zu meinem Opa immer: „Das ist nicht in Ordnung, was sie mit den Juden machen!“

Nach der Reichskristallnacht in Nürnberg lief Opas Vater auf dem Weg zur Arbeit ein Jude entgegen. Dieser war im Nachthemd, blutete und fragte ihn, wo die nächste Polizeistation war. Opas Vater erklärte es ihm und erfuhr erst danach, was in der vergangenen Nacht geschehen war.

Mein Opa musste mit seinen Eltern oft umziehen, da ihre Wohnungen nicht selten von Bomben zerstört wurden. Nach einem besonders schlimmen Bombenangriff sah mein Opa als kleiner Junge viele Leichen in der Innenstadt liegen. Ich fragte ihn, was er dabei empfunden hatte, weil ich mir so etwas kaum vorstellen kann. Mein Opa erzählte, dass ihnen mit solchen Anblicken Wut auf die Feinde eingeredet wurde.

Ein Soldat wirbt bei Kindern für das Militär

Mein Opa und seine Freunde aus der Hitlerjugend wollten am liebsten mitkämpfen. Oft sagten die Jungen: „Hoffentlich dauert der Krieg noch länger, damit ich dann alt genug bin, um mitzukämpfen.“

Als mein Opa 13 Jahre alt war, meldete sich sein Freund mit 15 Jahren freiwillig zur SS und wurde kurz vor Kriegsende an die Front geschickt. Zum Glück war der Krieg bald vorbei und er überlebte. Wäre mein Opa schon alt genug gewesen, hätte er sich auch freiwillig gemeldet, um sein Land vor den Feinden zu beschützen, wie es ihnen erklärt wurde.

Nicht bei jedem Fliegeralarm wurden Bomben auf Nürnberg geworfen. Oft gab es auch einen Fehlalarm, manchmal sogar dreimal in einer Nacht. Wenn mein Opa nachts im Luftschutzbunker mit seinen Freunden war, hofften sie, dass der Fliegeralarm noch länger dauerte. Mussten sie nämlich bis nach Mitternacht im Bunker bleiben, hatten sie am nächsten Tag eine Stunde später Schule.

Mein Opa als Junge in seiner Uniform für die Hitlerjugend

Eine Erzählung meines Opas werde ich nie vergessen. Während einem Bombenangriff ganz in ihrer Nähe spielte er mit seinen Freunden im Bunker. Da meinte seine Mutter zu ihm: „Komm zu mir, damit wir zusammen sterben!“ Mein Opa antwortete so ehrlich, wie es nur Kinder tun:

„Nein, ich will nicht sterben!“

Oma und Opa, ich danke euch von Herzen für eure ehrlichen und eindrucksvollen Worte! Kein Kind sollte während eines Krieges aufwachsen, mit Leid und Tod konfrontiert werden und um sein Leben und das Wohl seiner Liebsten bangen müssen!

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