Unser Vollwertbaby

Dieser Artikel erschien Januar 2017 im Magazin „Der Gesundheitsberater“

In meiner Kindheit und Jugend habe ich sehr viele Süßigkeiten gegessen. Schokolade und Eis schmeckten mir am besten und ich trank auch sehr gerne Cola. Statt Wasser trank ich die meiste Zeit Apfelsaft und oft aß ich sogar etwas Süßes anstatt einer richtigen Mahlzeit. Seit meiner frühesten Kindheit hatte ich Zahnprobleme und sehr oft Karies. In meiner Jugend war ich fast jeden Monat erkältet und sehr oft waren es richtig schlimme Mandelentzündungen, weshalb mir mein Arzt immer wieder Antibiotika verschrieb. In dieser Zeit musste ich zwei Wurzelbehandlungen über mich ergehen lassen und zwei Kronen bekommen. Nach dem Auszug aus meinem Elternhaus ernährte ich mich auch oft von Fertigprodukten oder Fast Food. Ich sagte manchmal: „Ich rauche nicht, trinke keinen Kaffee und Alkohol nur ganz selten, aber meine Sucht ist eben die Schokolade. Ich bin zuckersüchtig.“ In dieser Zeit hatte ich so viel Luft in meinem Darm, dass ich vor Schmerzen manchmal nicht in die Uni gehen oder gar die Wohnung verlassen konnte. Mein Hausarzt konnte mir nicht sagen, woran das lag und ein Homöopath vermutete eine Lebensmittelallergie. Nach einem Test bekam ich eine Liste, welche Lebensmittel ich vermeiden sollte, doch die ständigen Darmbeschwerden wurden nicht besser. Ich durfte zum Beispiel keine Bananen mehr essen und nach einem Stück Apfel musste ich sofort zur Toilette rennen. Endlich schlug ein ganzheitlicher Arzt Tests auf Laktose-, Fruktose- und Sorbitintoleranz vor und tatsächlich vertrug ich kein Sorbit. Er erklärte mir, dass ich auf jede Form des natürlichen Zuckers wie in Obst, Gemüse, Säften und vielem mehr verzichten musste, während künstlicher Zucker wie in Süßigkeiten kein Problem sei. Ich fragte ihn, was man dagegen tun könne, doch er meinte, dass ich mit dieser Unverträglichkeit für immer leben müsse.

Erst eine ganze Zeit später erfuhr ich im Alter von 25 Jahren durch meine kleine Schwester Ronja Lutz vom Gesundheitszentrum in Lahnstein und ihr Freund lieh mir das Buch „Unsere Nahrung – unser Schicksal“ von Dr. med. M. O. Bruker aus. Durch seine Mutter Michaela Vorndran, Gesundheitsberaterin GGB und Besitzerin eines Naturwarenladens, erfuhr ich mehr über die Vollwerternährung. Auf ihren Rat hin verzichtete ich drei Tage lang auf Tiereiweiß und konnte tatsächlich einen ganzen Apfel essen, ohne sofort Bauchkrämpfe zu bekommen. Ich versuchte die Umstellung auf eine vegetarische Vollwertkost, soweit dies ohne Flocker und ohne viel Zeit zum Kochen überhaupt möglich ist. Nachdem ich nach einem Sommer mit fast täglichem Eiskonsum die schlimmste Mandelentzündung meines Lebens im Urlaub hatte, war es sowieso an der Zeit von meiner Zuckersucht loszukommen. Ich verzichtete auf Süßigkeiten und Cola, was mir am Anfang unglaublich schwer fiel. Ich kannte noch keine alternativen Nachspeisen mit Honig und wusste auch noch nicht, dass in den meisten anderen Nahrungsmitteln und manchmal sogar im Vollkornbrot vom Bäcker Fabrikzucker ist. Dennoch wurde meine Unverträglichkeit immer schwächer, bis ich wieder alles an Obst und Gemüse essen konnte.

Unsere selbst hergestellten Eheringe

Mein Verlobter Florian Scherzer stand meinen Plänen der Ernährungsumstellung zu Beginn skeptisch gegenüber und sah auch keinen Grund sich mir anzuschließen, da ihn keine Krankheit oder Allergie quälte. Doch wir planten ein Kind zu zeugen und alle Frauenärzte rieten mir zur Einnahme von künstlichen Vitaminen und Folsäure. Da ich von Beiträgen des Magazins „Der Gesundheitsberater“ den Frauenarzt und Gesundheitsberater GGB Doktor Michael Krause kannte, rief ich ihn an und fragte, ob ich Folsäure unbedingt einnehmen müsse. Er erklärte mir, dass dies bei einer vollwertigen Ernährung nicht nötig sei und lud uns zu einer Sprechstunde zu sich ins Südklinikum in Nürnberg ein, da wir nicht weit entfernt in Nürnberg wohnen. Sehr dankbar nahmen mein Verlobter und ich sein Angebot an und er erklärte uns die Vollwertkost, auch im Bezug auf die Schwangerschaft, noch genauer. Das alles von einem erfahrenen Arzt zu hören überzeugte meinen Verlobten sich auch mit Büchern von Bruker zu beschäftigen. Da wir unserem Kind von Anfang an alle wichtigen Vitamine und Vitalstoffe auf natürliche Art bieten wollten, stellten wir beide unsere Ernährung auf der Stelle komplett um. Wir tranken nun immer Wasser, aßen viel Salat, Obst und Gemüse und kauften alles nur noch im Bioladen ein. Wir besorgten uns einen Flocker und eine Mühle und kochten und backten alles selbst. Dank Michaela Vorndran waren wir mit biologischen Getreidekörnern für den Frischkornbrei und das Vollkornbrot gut versorgt und bestellten darüber hinaus viel in ihrem Laden in Burglauer. Die Umstellung nun viel Zeit in der Küche verbringen und auf gewohnte, schnelle Gerichte verzichten zu müssen, war erst nicht leicht. Doch nach und nach wurde das Kochen zu unserem gemeinsamen Hobby und die gesunden Gerichte waren leckerer als alles, was ich bis dahin gegessen hatte. Dank der vitalstoffreichen Vollwertkost habe ich keine Sorbitintoleranz oder Allergien mehr und nachdem sich mein Darm an die neue Kost gewöhnt hatte, verschwanden auch Beschwerden wie Blähungen, Durchfall und Verstopfung. Es geht uns gesundheitlich so gut wie nie zuvor, da wir seitdem nicht einmal mehr erkältet waren. Auch hatte ich seit der Ernährungsumstellung kein einziges Loch mehr und mein Zahnarzt staunte, dass seine Dauerpatientin nicht mehr zu ihm kam. Ich sagte ihm, dass ich kein Karies mehr bekam, seit ich keinen Zucker mehr aß, was er lächelnd abtat. Auch achtete ich darauf, keine Zahnpasta mit Fluorid und kein Deo mit Aluminium zu verwenden.

Drei Monate später erfuhren wir kurz nach der Feier ins Jahr 2016 von meiner Schwangerschaft, also war unser Weihnachtswunsch tatsächlich in Erfüllung gegangen. Ab da hielten wir uns so streng wie es uns möglich war an Brukers Ernährungsempfehlungen. Gekaufte Vollkornnudeln oder haltbare Brotaufstriche galten als absolute Ausnahme, da wir alles selbst frisch machten. Am Anfang der Schwangerschaft war mir nur wenige Wochen lang schlecht und ich musste mich nur einmal übergeben. Eine Zeit lang fiel es mir schwer meinen Frischkornbrei zu essen und ich musste mir neue Zutaten überlegen, damit er mir besser schmeckte. Meine Frauenärztin akzeptierte zum Glück, dass ich keine künstlichen Präparate einnehmen wollte. Bei meinen Blutwerten und den Urintests sah alles optimal aus. Sie machte sich allerdings Sorgen, weil ich zu Beginn der Schwangerschaft erst noch ein Kilo abnahm, anstatt bereits zuzunehmen. Ich hatte mich davor daheim nie gewogen, doch auch mein Verlobter hatte durch die Ernährungsumstellung abgenommen. Wir fühlten uns körperlich nun sehr wohl und ich nahm in den ersten Monaten so gut wie nichts zu. Im Mai 2016 heirateten wir wie geplant auf der Nürnberger Kaiserburg und flogen nach der Feier nach New York. In dieser Zeit konnten wir uns leider für insgesamt 2 Wochen nicht vollwertig ernähren, doch wir glaubten daran, dass unserem Kind diese Ausnahme während den 9 Monaten mit Vollwertkost nicht schaden würde. Soweit wie möglich aßen wir auch in New York Biolebensmittel, versuchten den Fabrikzucker zu vermeiden und es war nicht leicht Wasser ohne Zusätze zu finden. Selbst nach unseren Flitterwochen waren meine Werte bei der nächsten Untersuchung optimal und ich hatte eine absolute Musterschwangerschaft.

Unsere Hochzeit auf der Kaiserburg in Nürnberg

Als ich mich bei der Frauenärztin weigerte für den Diabetes-Test eine Zuckerlösung zu trinken und ich für den dritten, großen Ultraschall gerne eine Überweisung zu Doktor Krause haben wollte, verweigerte sie mir diese. Wie einem unmündigen Kind erklärte sie mir, dass ich zweimal im Quartal zu ihr kommen müsse, dieser Test wichtig sei und sie mir nicht so einfach eine Überweisung ausstellen könne, ohne vorher selbst einen Ultraschall gemacht zu haben. Nach diesem Gespräch beschloss ich nicht mehr in ihre Praxis zu gehen. Durch den Ultraschall bei Doktor Krause erfuhren wir, dass wir ein Mädchen bekommen würden, worüber wir uns riesig freuten, da wir uns beide seit langer Zeit eine Tochter namens Lana gewünscht hatten.

Ich hatte mir zu diesem Zeitpunkt bereits Gedanken darüber gemacht, dass ich ungern in einem Krankenhaus entbinden wollte. Meine eigene Geburt in einem Krankenhaus war sehr traumatisch gewesen, da ich nach einem Kaiserschnitt von meiner Mutter getrennt wurde und deshalb nicht gestillt werden konnte. Ich wollte, dass mein Kind auf ganz natürliche Weise und ohne unnötige Eingriffe zur Welt kommen durfte und dass kein Arzt über meinen Kopf hinweg über mich oder mein Kind entscheiden würde. Ich hatte auch die Sorge, dass ich nach einer Geburt mit Eingriffen und Medikamenten nicht würde stillen können und mein Kind mit Muttermilch ernähren zu können, war mir auch schon vor dem Lesen von dem Buch „Biologischer Ratgeber für Mutter und Kind“ von Dr. med. M. O. Bruker und Ilse Gutjahr unglaublich wichtig. Damit würden wir unserem Kind den besten Start in ein gesundes Leben ermöglichen. Für eine Hausgeburt konnte ich leider wegen der momentan schwierigen Situation der Hebammen keine Hebamme finden und meinem Mann wäre dies auch zu riskant gewesen. Doch meine Vor- und Nachsorgehebamme, die es sich wegen der Versicherung nicht mehr leisten konnte selbst Geburten zu betreuen, empfahl uns ein Geburtshaus in Neustadt an der Aisch. Es war leider eine Autofahrt von 45 Minuten dorthin, doch direkt daneben befand sich zur Beruhigung meines Mannes ein Krankenhaus. Die drei Hebammen des Geburtshauses nahmen sich Zeit uns kennen zu lernen, alle unsere Fragen zu beantworten und unsere Wünsche für die Geburt festzuhalten. Ab da ließen wir dort die Vorsorgeuntersuchungen machen, bei denen die Hebammen durch das Abtasten meines Bauches genau sagen konnten, wie groß die Gebärmutter schon war und später auch, wie unsere Tochter darin lag.

Inzwischen hatte ich normale Schwangerschaftsbeschwerden wie Sodbrennen, vermied es aber etwas anderes als Heilerde dagegen einzunehmen. Ich war froh, dass ich in der ganzen Schwangerschaft keine Medikamente und nicht einmal homöopathische Mittel einnehmen musste. Weil mein Bauch immer größer wurde, taten mir öfter die Beine beim Stehen oder Laufen weh und ich setzte mich beim Kochen in unserer kleinen Küche immer wieder auf einen großen Gymnastikball. In den letzten Monaten vor der Geburt nahm ich endlich zu, worüber ich mich freute, da unsere Tochter nun auch etwas wog. Insgesamt nahm ich in der kompletten Schwangerschaft nur 3 Kilo zu, was die Hebammen sehr verwunderte. Wir erklärten es uns damit, dass ich ohne die Schwangerschaft eigentlich abgenommen hätte und nach der Geburt wurde dies bestätigt, da ich dann 9 Kilo weniger wog als vor der Schwangerschaft. Jeden Abend spürten mein Mann und ich gemeinsam, wie unsere Tochter zappelte. Sie lag bereits richtig herum mit dem Kopf nach unten und wir konnten ihre Tritte oben an meinem Bauch sogar sehen.

Vorfreude auf unsere Tochter

Am Samstag, den 10. September 2016, begannen wenige Tage vor dem errechneten Termin um 4:30 Uhr in der Früh meine Wehen. Sie kamen sofort regelmäßig alle 5 Minuten und waren sehr intensiv und schmerzhaft. Ich rief die Hebamme mit Rufbereitschaft an und da Lanas Kopf bereits tief im Becken lag, sollten wir gleich losfahren. Um diese Uhrzeit war zum Glück so gut wie kein Verkehr, weshalb wir nicht lange von Nürnberg zum Geburtshaus brauchten. Dort wurde ich bestens betreut und durfte selbst entscheiden, ob ich während den Wehen in der Badewanne liegen, umherlaufen oder sitzen wollte. Im Bett liegen wollte ich gar nicht, stattdessen setzte ich mich auf einen Gymnastikball und hielt mich bei jeder Wehe an einem Tuch fest, das an der Decke befestigt war. Mein Mann unterstütze mich, indem er meine Hand hielt und mich in den Wehenpausen in seinen Armen verschnaufen ließ. Auch Lana half fleißig mit, indem sie sich in meinem Bauch mit den Füßen nach unten drückte und daraufhin auch schon die nächste Wehe kam. Insgesamt dauerte die Geburt ungefähr 10 Stunden und in den letzten 2 Stunden hatte ich Presswehen. Nach dem Platzen der Fruchtblase öffnete sich allerdings mein Muttermund immer noch nicht komplett, da Lanas Kopf bereits tief und fest im Becken saß. Zum Glück blieben Lanas Herztöne regelmäßig und es bestand für uns beide keine Gefahr. Mit einer Bachblütensalbe und homöopathischen Mitteln halfen mir die Hebammen, damit trotzdem alles auf ganz natürliche Weise gut gehen konnte. Beim Pressen konnte mein Mann als Erstes einen Blick auf die vielen Haare unserer Tochter werfen. Am Schluss saß ich am Boden in der Hocke, während mich eine Hebamme von hinten stützte, weil ich keine Kraft mehr in den Beinen hatte. Die zweite Hebamme lag unter mir und nahm unsere Tochter nach dem letzten, erfolgreichen Pressen um 15:01 Uhr entgegen. Ich legte mich auf den Boden und Lana durfte sofort auf meine Brust, um in Ruhe in dieser Welt anzukommen und sich von Anfang an durch meine Nähe und Wärme geborgen und sicher zu fühlen. Wir kuschelten und lernten uns neu kennen, bis die Nachgeburt schließlich kam und mein Mann die Nabelschnur nach dem Auspulsieren durchschneiden durfte. Danach halfen mir die Hebammen Lana anzulegen und das Stillen klappte problemlos. Zu dritt lagen wir im Bett und konnten unser Glück kaum fassen. Wir hatten es tatsächlich geschafft und unser gemeinsamer Traum war wahr geworden! Kurz darauf machte die Hebamme bei Lana die erste Untersuchung und unsere Tochter war wie erhofft kerngesund. Lana kam mit 49 cm, einem Kopfumfang von 33 cm und 2970 g zur Welt.

Nach der Geburt erholten wir uns Zuhause und die Nachsorgehebamme kam oft vorbei, um uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Da das Stillen trotz anfänglicher Schmerzen so gut klappte, nahm Lana bald fleißig zu und hatte kaum Gelbsucht. Der Rest der Bauchnabelschnur fiel bereits nach wenigen Tagen ab und alles verheilte super. Meine Rückbildung ging schnell voran, sodass mein Bauch wieder so flach wie vor der Geburt ist. Da ich während der Schwangerschaft so oft auf dem Gymnastikball saß, liebt es unsere süße Maus, wenn wir mit ihr darauf hüpfen. Die Wochenbettzeit daheim war zu dritt wunderschön und hätte für uns ewig dauern können. Vor kurzem waren wir mit Lana in ihrer sechsten Lebenswoche für die dritte Untersuchung beim Kinderarzt und er staunte darüber, wie gesund und fit unsere Kleine ist. Lana hat nun ein ganzes Kilo zugenommen, hat schon viel Kraft in den Armen und Beinen und hebt, dreht und hält ihren Kopf bereits selbstständig. Der Arzt scherzte, sie sei der perfekte Prototyp. Für uns ist Lana das perfekte Unikat. Wir sind unglaublich glücklich, dass unsere Tochter durch die Vollwerternährung und unsere grenzenlose Liebe gesund und glücklich ist!

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